Ich habe mich heute den ganzen Tag gefragt,
ob ich über diesen Tag schreiben kann – oder ob ich das überhaupt will.
Vermutlich überschreite ich damit die Grenzen des guten Geschmacks, wenn ich nun von den Details berichte, die eigentlich keiner wissen will. Dinge, die sich im Verborgenen abspielen.
Heute war Endoskopie-Tag:
Gastroskopie und Koloskopie.
Die Verfahren sind mir vertraut, es war nichts Neues für mich.
Und dieses kleine Endzeitszenario begann im Grunde bereits gestern …
Die netten Krankenschwesterschülerinnen schauen immer mal nach mir. Es fehlt nun nur noch knapp 175 ml und da passiert es: ca. 300 ml der Lösung landen in einem riesigen Strahl gerade noch im Waschbecken. 2 cm über die Schulter der Schwesternschülerin hinweg, die geschickt und schnell in Deckung ging. Oh je! Und damit waren die Schotten geöffnet und ich habe jede Korntrolle über meinen Körper verloren. Kein Wasser, kein Tee, nichts blieb mehr in mir. Die hart erkämpften ml der Lösung waren im Ausguss und alles andere folgte. Mir war zum Heulen zu Mute und ich habe geheult. Denn wenn mir eins sofort klar war: Diesen Reflexen werde ich nicht mehr Herr. Dann flogen zwischen 7 Uhr und 9 Uhr hier so richtig die Fetzen bzw. Flüssigkeiten. Wahlweise hing mein Hintern oder mein Kopf in der WC Schüssel und der einige Trost war, dass sich Magen und Darm zum Glück mit der Entleerung abwechseln und nicht in ein harmonisches Zusammenspiel verfielen. Die kleinen Schwestern ermutigten mich noch viel viel Wasser zu trinken, aber jeder Schluck flog innerhalb von geschätzten 30 Sekunden wieder heraus. Ich sah meine Endoskopie davon schwimmen. Ich war kraftlos und heulte.
Mittagessen um 12 Uhr, dann ab 17 Uhr Start der Reinigungszeremonie.
Einmal so richtig entschlacken, den Körper von innen heraus erneuern. Ganz entspannt beginnt das – wie gesagt – um 17 Uhr mit zwei Litern Zitronen-WC-Stein-Wasser. Möglichst zügig heißt es: runter damit.
18:30 Uhr: Kanne leer, ich unheimlich stolz! Diese Körperbeherrschung, diese Disziplin! Wenn ich eins kann, dann solche Qualen ohne mit der Wimper zu zucken ertragen.
Dann soll der Rest ganz von allein starten.
Krämpfe setzen ein, ich laufe auf und ab, ab und auf. Doch nichts – keine Regung. Mein Körper bleibt stumm. Um 23 Uhr dann die Zäpfchen-Starthilfe. Aber auch die bringt keinen nennenswerten Durchbruch. Dafür schlafe ich erstaunlich gut in dieser Nacht.
6 Uhr morgens.
Ich werde geweckt – mit einem weiteren Liter der berüchtigten Lösung. Ich, tapfer wie immer, beginne sofort. Rein damit. Und dann passiert es: Mein Körper schüttelt sich. Ich kann den Ekel nicht mehr unterdrücken. Die ersten 500 ml gehen noch, doch dann werde ich unruhig. Die Disziplin ist weg, die Körperbeherrschung unauffindbar. Mein Hirn will, aber der Körper blockiert.
Zitronenwasser rein, Schütteln, rein, Schütteln.
Die freundlichen Pflegeschülerinnen schauen immer wieder nach mir. Es fehlen noch 175 ml – und dann passiert’s: Etwa 300 ml schießen in einem beeindruckenden Strahl ins Waschbecken, zwei Zentimeter über die Schulter der erschrockenen Schülerin hinweg, die blitzschnell in Deckung geht. Oh je!
Und damit war der Damm gebrochen.
Ich verlor jede Kontrolle über meinen Körper. Kein Wasser, kein Tee, nichts blieb drin. Die mühsam aufgenommenen Milliliter landeten im Ausguss – und alles andere folgte. Mir war zum Heulen – und ich habe geheult. Denn eines war mir sofort klar: Diesen Reflexen bin ich nicht mehr gewachsen.
Zwischen 7 und 9 Uhr ging’s dann richtig los.
Mal Kopf, mal Hinterteil in der WC-Schüssel. Der einzige Trost: Magen und Darm wechselten sich brav ab – keine Synchronaktion. Die Pflegeschülerinnen ermutigten mich tapfer weiterzutrinken, aber jeder Schluck kam postwendend wieder raus. Ich sah meine Endoskopie davonfließen – wortwörtlich. Kraftlos, heulend, verzweifelt.
Nach einer Pause – ein Nickerchen, ein Hörbuch – der nächste Versuch.
Und siehe da: Mein Magen erkannte das Mineralwasser wieder. Langsam steigerte ich mich, tastete mich zurück ins Leben. Nach jedem Toilettengang klingelte ich, und die tapferen Pflegeschülerinnen prüften das Ergebnis (handschuhbedeckt, versteht sich), um zu beurteilen, ob ich "bereit" war. Ich trank, ich harrte. Ich bettelte sogar um mehr Zitronenlösung, spielte den Gelassenen: „Ich wäre bereit für weitere 500 ml!“ Doch sie verneinten, mein Körper hatte eindeutig die Reißleine gezogen.
Dann, kurz nach 12 Uhr, das Urteil:
Nicht „sauber“ genug!
Was für ein Begriff. Der Arzt kam und bestätigte: Noch eine Runde Lösung wäre kontraproduktiv – mein Körper würde sich wehren. Bleibt nur noch eine letzte Option: der Schwenkeinlauf.
Und das war dann die Krönung der Demütigung.
Damit hatte ich nun wirklich nicht gerechnet.
„Schwenk“? Das Equipment beeindruckend, das Prozedere lieber nicht zu genau erklärt. Ich wollte es einfach nur hinter mich bringen …
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