Die biologische Gefahr in Dosen


Die letzten Wochen – eine harte Probe

Die letzten Wochen sind für mich eine echte Belastungsprobe. Ein Symptom jagt das nächste: Schmerzen in den Gelenken und Weichteilen, Magen-Darm-Krämpfe, Durchfall, Erschöpfung – und auch psychisch geht es mir nicht gut. Offiziell nennt man das „Anpassungsstörung“. Mein rechtes Auge ist zudem entzündet.

Die Blutwerte? Top. Nur leicht erhöhte Leberwerte.
Das bedeutet: keine oder nicht genügend objektivierbare Symptome, um eine gezieltere Behandlung zu ermöglichen. Stattdessen wird wieder gemurmelt, dass das alles irgendwie „nicht typisch für Behçet“ sei.
Na gut – ist mir ehrlich gesagt egal. Es ist, wie es ist.

Nach etwa fünf Tagen Pause ging es mir seit Montagabend wieder schlechter. Dienstag habe ich mich noch durch den Tag geschleppt. Mittwochmorgen ging ich zur Blutabnahme – und während der Wartezeit in der Praxis wurde mir minütlich schlechter. Ich bin dann direkt zum Gastroenterologen gefahren, um mir die üblichen Döschen für meinen „biologischen Gefahrenstoff“ abzuholen. Gerade so geschafft.

Schon am Dienstag hatte ich bei meiner Hausärztin und beim Gastro angerufen und angekündigt, dass ich wieder „akut“ bin und zur Blut-, Urin- und Stuhlabgabe komme bzw. die Döschen dafür brauche. Die Damen am Telefon sind regelrecht ausgeflippt.

Telefonterror statt Hilfe

Beim Gastro empfing mich – am Telefon – eine hektische, ältere Arzthelferin mit folgenden Worten (freundlich war anders):
„Nein, das geht nicht. Das haben wir noch nie gemacht. Das ist nicht möglich. Das habe ich noch nie gehört.“

Das sind genau die Momente, in denen ich einfach heulen könnte.
Ich weiß aus sicherer Quelle – nämlich von ihrem Chef –, dass er noch nie einen Patienten mit diesen Diagnosen hatte. Klar, dass die gute Dame das also nicht kennt. Ich habe ihr dann erklärt, dass meine Rheumatologin in Hamburg sitzt und ich es sehr zu schätzen wüsste, wenn ich nicht extra dorthin fahren müsste, um mir ein Stuhlröhrchen abzuholen. Ihre Reaktion: Ich solle das mit dem Arzt besprechen und einen Termin machen.

Ein Termin. Bei einer Erkrankung, bei der ein Schub plötzlich kommt und nur 3–7 Tage dauert.
Wie soll ich das bitte „planen“?

Gut, es wurde dann vereinbart, dass mich der Arzt zurückruft.
Das Gespräch mit Dr. Gastro dauerte keine fünf Minuten – und siehe da: Kein Problem. Ich könne direkt kommen und alles abholen.

Warum also dieser Stress vorher?

Warum sagen die Damen nicht einfach:
„Oh, das ist mir neu. Ich kläre das mit dem Doktor.“
Warum muss ich mir, wenn es mir schon schlecht geht, noch so einen Mist anhören?

Es ist und bleibt überall dasselbe.
Selbst meine Hausarztpraxis wollte mich am Dienstag nicht sehen – weil die Ärztin nicht da war.
Ich: „Frau Dr. soll mir ja auch nicht persönlich Blut abnehmen, ich habe lediglich eine Anordnung aus Hamburg.“
Antwort: „Nein, kommen Sie bitte erst am Mittwoch.“

Der Umgang mit mir? Oft von Unsicherheit geprägt.

Manche entwickeln regelrecht Angst, wenn ich mit Beschwerden komme, weil sie nicht wissen, wie sie damit umgehen sollen. Eine Ärztin sagt bei jedem Besuch nur:
„Oh Gott, das ist ja schrecklich!“
Danke – das weiß ich selbst. Hilft mir aber auch nicht weiter.

Die Erkenntnis des Tages: Ich bin ein Gefahrenstoff

Als ich mein Leben mal wieder in Döschen abgefüllt, eingetütet und etikettiert habe, wurde mir plötzlich klar, woher die Angst kommt:
Ich bin ein biologischer Gefahrenstoff – auf zwei Beinen.
Unberechenbar. Unerklärlich.

Es tut mir leid, dass ich euch Sorgen bereite.
Es tut mir leid, dass ihr Angst habt.
Es tut mir leid, dass ihr nicht wisst, was ihr machen sollt.

Aber hört bitte zu, liebe Arzthelfer*innen, liebe Damen am Telefon, an der Anmeldung, am PC:

Hebt eure Köpfe und schaut mich an.
Ich komme in Frieden.
Ich bin diejenige, die Sorgen hat.
Ich bin diejenige, die Angst hat.
Ich bin diejenige, die nicht weiß, was sie machen soll.
Ich bin die Gefahr – aber nur innerhalb meiner selbst.

Wenn ich komme, dann geht es mir schlecht.
Ich bin Gefahrenstoff – meist in Dosen.
Und ich brauche eure Hilfe.

Freundlichkeit reicht.
Mehr verlange ich nicht.