Gehen sie direkt in die Praxis, gehen sie nicht mehr aufs Klo, ziehen sie sich keinen Kaffee mehr rein!




Die letzten Wochen und Tage – Schmerzprotokoll

Die vergangenen Tage waren geprägt von anhaltenden Schmerzen – mal stärker, mal schwächer, aber nie wirklich weg. Besonders auffällig: ein intensiver, nicht enden wollender Schmerz im rechten Bein.

Ärztliche Hilfe? Schwierig.

Die Vertretung meiner Hausärztin meinte dazu nur:
„Da kann ich jetzt auch nichts machen, das könnte ja alles Mögliche sein.“

Meine Antwort:
„Okay, dann nehme ich jetzt bis zu vier Katadolon-Tabletten, lasse mich von Kollegen zur Arbeit fahren, weil ich so natürlich kein Fahrzeug mehr führen darf, gehe einfach arbeiten, hoffe, dass ich trotz Schmerzen irgendwie schlafen kann – und das war’s dann?“

Ihre Antwort:
„Ja… hmmm. Genau. Wichtig ist ja, dass Sie schlafen können.“

Fünf Tage später: Alarmstufe Rot.

Dann habe ich meiner Gefäßchirurgin den Schmerz beschrieben – und sie reagierte ganz anders. Ihre Reaktion war deutlich:
„Das ist bei Ihnen immer hochgefährlich!“
Sie forderte mich auf, sofort in ihre Praxis zu kommen. Ich habe keine Sekunde gezögert, meine Jacke und Tasche geschnappt und bin los.

Der Adrenalinspiegel stieg, mein Puls raste. Und kaum stand ich zehn Minuten später vor dem Krankenhaus in Porz, wurde mir richtig mulmig. Vor dem Fahrstuhl liefen mir die Tränen. Der Stress musste irgendwie raus. Weil der Aufzug nicht kam, nahm ich die Treppe – wie in Trance.

In der Praxis dann das volle Programm:
Blutabnahme, Schnelltest auf Thrombose, Ultraschall...
Ergebnis: keine Thrombose.
Erleichterung.

Nach einem langen Gespräch war ich wieder beruhigt. Wir haben noch einmal ganz klar vereinbart: Bei jeglichem Beinschmerz komme ich direkt wieder.
In den letzten zwei Jahren war das tatsächlich mein erster Notfallbesuch.

Und nun?

Die Schmerzen waren noch da – aber: keine Thrombose. Immerhin.
Heute, rund anderthalb Wochen später, ist der Schmerz im rechten Bein verschwunden. Einfach so.

Was bleibt?
Tägliche Gliederschmerzen. Jeden Tag.
Sie zermürben mich langsam.

Aber hey – keine Thrombose!

Und trotzdem stelle ich mir Fragen. Nicht rhetorisch. Ganz konkret:

  • Wie oft werde ich noch von Ärzt*innen weggeschickt, weil sie nicht wissen, was sie tun sollen?

  • Was erwartet mein Umfeld eigentlich?

  • Wie viele Tabletten muss ich nehmen, um „angemessen“ an allem teilzunehmen, was von mir gewollt wird?

  • Ab wann ist die Schmerzmedikation eigentlich hoch genug, dass ich doch zu Hause bleiben darf?

  • Mit welchem Schmerzpegel wird eigentlich erwartet, dass ich zur Arbeit gehe?

  • Wann ist mein Schub „schlimm genug“, damit Frau Dr. K. in Hamburg mir weiterhelfen kann?

  • Gibt es überhaupt Aussicht auf Besserung – oder ist das hier schon der „maximal beste Zustand“?

  • Wie viele Tabletten darf ich eigentlich noch nehmen, wenn ich weiß, dass beide Erkrankungen meine Nieren früher oder später schädigen werden?

Noch einmal: Das sind keine rhetorischen Fragen.
Aber wer wird sie mir beantworten?

Ich gehe jetzt ins Bett.
Ich gehe nicht mehr raus.
Ich kippe mir Kaffee rein – so viel wie nur möglich.