Meine Eltern waren zu Besuch. Am Sonntag gab es ein gemütliches Frühstück. Stolz zeigte ich meiner Mutter ein Glas Schokoladenaufstrich, das ich schon vor langer Zeit im Supermarkt gefunden hatte. Das Besondere daran: Es enthält kein Milchprodukt!
Meine Worte dazu: „Schau mal, das ist ein barrierefreier Schokoladenaufstrich!“
Wir sind vor Lachen fast unter den Tisch gefallen – und mein nächster Beitrag war geboren.
Ich muss nun schon seit einigen Jahren auf solche Produkte verzichten. Der Weg dahin war echt anstrengend. Eine ganze Zeit lang konnte ich fast ausschließlich gedünstetes Obst essen. Der Effekt war, dass ich ziemlich schnell und viel abgenommen habe, was mir das ein oder andere Kompliment einbrachte. Nicht, dass ich vorher irgendwie dick gewesen wäre, aber scheinbar ist richtig dünn sein wirklich total hip. Auf einen Kommentar wie: „Mensch, du siehst heute wirklich toll aus!“ hätte ich am liebsten mal geantwortet: „Ja, die Magersucht, die steht mir echt gut!“ Natürlich habe ich nur freundlich gelächelt und mich bedankt.
Zu dieser Zeit habe ich wirklich gelitten. Ich habe gerne und viel – vor allem viel Schokolade – gegessen. Und wenn ich damals schon geahnt hätte, dass dieser Verzicht und das Aufbringen der geforderten Disziplin einmal mein geringstes Problem werden sollten…?!
Jetzt ist diese eigentlich harmlose Laktoseintoleranz genau genommen ein Teil meiner Erkrankung und somit ein Teil meiner Behinderung. Meine Krankheit ist aufgrund dieser Beeinträchtigung juristisch als Behinderung einzustufen.
Die Frage ist also: Sind Lebensmittel von „minus L“ – und wie sie alle heißen – somit vielleicht ein Hilfsmittel? Könnte mir die Krankenkasse das bezahlen? Oder das Sozialamt als Nachteilsausgleich? Es wäre wohl einen Versuch wert. Zumal man oft Situationen positiver Diskriminierung ausgesetzt ist, andere sich belästigt fühlen und in meiner Gegenwart nichts essen können, weil ich ihnen so leid tue.
Im Sinne der Inklusionsdebatte frage ich also:
Sollten laktosefreie Nahrungsmittel nicht besser unter der Kategorie „barrierefreie Nahrungsmittel“ geführt werden?!
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