1. Exposition
Prednisolon und Mirtazapin – zwei bedeutsame Akteure.
Ihre Geschichten sind eng verwoben mit Rettung und Not – aber auch mit hohen Kosten.
Sind sie Lebensretter? Oder einfach die Wahl zwischen Pest und Cholera?
2. Ansteigende Handlung
Leichte Schweißausbrüche. Benommenheit.
Das Beste, was man dann tun kann: hinlegen. Schlafen.
Meist kommt der Schlaf ganz von selbst – deshalb: unbedingt vorher zur Toilette und alle Pflege erledigen.
Dann schlägt das Cushing-Syndrom zu.
3. Höhepunkt
Ein irrationales, überdimensioniertes Hungergefühl.
Morgens. Mittags. Abends. Nachts.
Nach der Tüte Chips hilft nur noch eine Tafel Schokolade.
Gefolgt von:
Senfbrot. Mandelmuzen. Kuchen.
Aber vor allem: Plätzchen. Butterplätzchen.
Übelkeit? Gibt’s nicht.
Nur dieses brennende, unstillbare Verlangen.
Ein Appetit, der kein Ende kennt.
Fremdgesteuert. Kontrollverlust. Selbstbeherrschung: aufgelöst.
4. Fallende Handlung mit retardierenden Momenten
Hilflosigkeit.
Sich selbst ausgeliefert. Keine Wahl. Keine Kontrolle.
Auch rationale Gedanken werden vom Hunger überrannt.
Nicht einmal Yoga kann helfen.
5. Katastrophe
Mehr als 20 kg Übergewicht.
Aufgedunsen.
Ein Körper, den du kaum wiedererkennst.
Es ist also nicht so einfach, diese Medikamente zu loben.
Ihre Nebenwirkungen sind nicht nur „kleine Übel“ – sie verändern dich.
Sie setzen dir noch etwas oben drauf, als wäre Behçet nicht schon schlimm genug.
Zum Glück: Bei den kleinen Dosen von Prednisolon treten diese Nebenwirkungen nicht mehr auf.
Mit viel Disziplin habe ich es geschafft – und wäre fast an meinem Ziel angekommen:
20 kg weniger bis Weihnachten.
Doch dann kam Mirtazapin.
Der Schmerz ging – und die Fressattacken kamen.
5 bis 7 kg wieder drauf.
Und das ist nicht einmal das Schlimmste.
Schlimm ist, wenn du nur noch essen kannst.
Wenn du fremdbestimmt bist – nicht von dir, sondern von einem Medikament.
Wenn du Chips isst und dabei weinst.
Als wäre Behçet nicht schon Scheiße genug.
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