Behcet… werde am Du zum Ich!


Und wir machen diese Reise jetzt nicht sehr philosophisch, sondern ganz einfach:
Wenn du ich wärst, wie wäre es dann? Wie würdest du alles leben? Entscheiden?
Was wäre das Erste, das du anders machen würdest? Würdest du am Wochenende richtig abschalten, auch mal ein Bier trinken, dich mit Freunden treffen, shoppen gehen?
Ja, vor allem die Zeit, die bleibt, nutzen. Ins Auto setzen, Freunde besuchen, Familie besuchen. Gemeinsam Sachen erleben: Spieleabende, Geburtstagspartys, Grillen im Sommer, Glühwein trinken im Winter.

Du würdest die freie Zeit nutzen, reisen, den Urlaub mit deinen Freunden verbringen. Mal schnell hier und morgen dort – schließlich ist das Leben kurz. Was könnte schöner sein, als meine Zeit mit dir zu verbringen? Gerade weil man nie weiß, wie es morgen oder übermorgen sein wird?

Du würdest weniger arbeiten? Ach so, okay. Versuchen, ob es den Job auch in Teilzeit gibt. Mehr Zeit für die schönen Dinge haben.
Ach ja, und wenn die Zeit schon knapp ist, was soll das mit dem Hund? Ein Hütehund? Was für ein Quatsch. Zwei Mal die Woche Training auf dem Platz absagen, Hund weg = eine Stunde länger schlafen am Morgen und mittags nicht den anstrengenden Köter beschäftigen müssen. Außerdem bist du dann auch flexibler. Und das spart Geld, das du unbedingt brauchst, wenn du nur noch Teilzeit arbeitest.

Dann könnte man auch wochentags später ins Bett, weil man ja morgens länger schlafen kann. Mehr Zeit, in Ruhe mit Freunden zu telefonieren. Vielleicht kann man schon freitags nach der Arbeit ins Auto springen – zack, 300 km, 200 km kein Ding! – und schon am frühen Nachmittag ins Wochenende düsen. In Ruhe shoppen, freitags, denn am Samstag feiert XY ja ihren Geburtstag. Samstag ist Partytag! Es gibt ja nichts Schöneres, als mit euch die Nacht durchzumachen! Quatschen, etwas trinken, nur einen „Hugo“, oder noch einen? Nein, ein Kölsch! Oder auch zwei! Mal den Kopf frei bekommen, durchpusten! An nichts denken, dummes Zeug quatschen, ein Spruch an den nächsten, lustig sein – das Leben ist ernst genug. Am Wochenende einfach mal nicht an die Krankheit denken, dann tut sie auch nicht weh, sich zusammenreißen und alles mit guter Laune und einem Kölsch wegspülen.

Sonntags dann Katerfrühstück, im Bett liegen, erst mittags aufstehen, weil es einfach so schön ist. Kaffee trinken mit Freunden, Torten und Eis essen. Prima! Tatort gucken, du ab ins Bett. Oder mit den Kindern von Freunden spielen, denn Kinder sind ja sowieso das Einzige, was ein Leben super gut macht. Und das ist ja auch bescheuert, dass ich keine eigenen habe. Es liegt doch auf der Hand, dass das Beste im Leben Kinder sind.

Montags schnell zum Halbtagsjobben, nach der Arbeit ein Stündchen ruhen, dann schöne Sachen machen. Das Leben ist schön! Du musst es nur auch schön machen, Jen Nifer!
Halbtags arbeiten und keine Kinder! Wow, was für ein Leben voller Freiheit und Spontanität.

Wer gibt mal ehrlich zu, dass er mir das ein oder andere schon immer mal vorschlagen wollte?

In aller Kürze meine Antwort:
Ich brauche keine Party für ein „Katerfrühstück“. Wenn ich einfach mal 8 Stunden täglich schlafe, bekomme ich Kopfschmerzen, kann kaum geradeaus schauen. Und ehrlich: Das Gefühl, wenn ich samstags um 0 Uhr ins Bett gehe – ohne Party, ohne irgendein „Extra“ – ist folgendes: Es fühlt sich wirklich am ehesten an wie ein heftiger Kater, nur bekomme ich das Gefühl für lau! Kein Bier nötig, keine Zigaretten! Einfach nur zu wenig Schlaf.

Oft brauche ich, um das auszuhalten, dann viele Pillen: 3x 800 Ibu + Paracetamol + Katadolon usw. Dann bin ich allerdings am Montag meist so „verkatert“, dass an Arbeit nicht zu denken ist.

Über Teilzeit brauche ich dann nicht nachzudenken, denn so wäre der nächste Schritt wohl eher die Rente.

Warum nicht Teilzeit? Ich will einfach Vollzeit arbeiten. Ich mag meine Arbeit, manchmal liebe ich sie sogar. Ich bin auch finanziell darauf angewiesen.

Und mein Pumi? Weil es mir Spaß macht! Es ist für mich Entspannung, mit dem Hund im Team zu arbeiten, zu üben und zu trainieren. Ich bin bei Wind und Wetter draußen und bewege mich viel. Das ist mir mehr wert als jedes Bierchen in Gesellschaft. Der Pumi fordert mich jeden Tag und das tut mir gut, lenkt mich immer wieder ab und er ist immer hier. Egal, wie es mir geht! Und er macht immer alles mit, egal wie schlecht gelaunt ich bin, er bringt mich zum Lachen.

Und es ist keine Drohung, sondern ein Versprechen: Würde ich nur ein paar Tage mich „zusammenreißen“ und mal nicht immer in meinem Krankheitsdrama sein, dann wäre ich innerhalb kürzester Zeit so fertig, weinend, voller Schmerzen und (megamäßig-dauer-) erschöpft.

Und wer von euch könnte mir dann helfen? Keiner. Dann wäre ich ja selbst Schuld an allem!

Und wenn ich mal ein paar Tage frei habe und es mir vielleicht auch mal dabei richtig gut geht, dann bin ich auch unendlich glücklich mit meiner Frau und meinem Pumi.

Ich vermisse keine Party und nicht ein sau blödes Gespräch, das wegen des vielen Alkohols am nächsten Morgen keiner mehr erinnert.

Und wer es jetzt doch besser weiß, weil „Zähne zusammenbeißen“ DIE Lösung für meine Probleme ist, der war zum Glück einfach nie so krank wie ich. Dann wünsche ich euch ein schönes, gesundes Leben und lasst euch nie mehr blicken! Ade und auf Nimmerwiedersehen!

Ich bleib einfach ich, du bleibst du!




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