Gegen alles gibt es eine Tablette.
Gegen Schmerzen.
Gegen Thrombosen.
Gegen fehlgeleitete Immunaktivität.
Gegen Entzündungen.
Gegen Traurigkeit.
Gegen Mangelerscheinungen.
Doch wirklich DAGEGEN ist kein Kraut gewachsen. Alles wird nur gedeckelt, versteckt, unterdrückt. Es wird ein Zustand angestrebt, der mir das Gefühl vermitteln soll, ich sei nicht krank – damit ich mich nicht mehr krank fühle. Manchmal klappt das. In den letzten 41 Tagen hatte ich genau 2 Tage, die mich vergessen ließen, was eigentlich mit mir los ist.
Und da frage ich mich: Ist es wert, ständig zu hoffen, dass morgen wieder einer dieser Tage sein könnte? Oder dauert es noch 30 Tage? Ist das das Ziel? Oder soll es das sein? Ich finde es nicht mehr erstrebenswert, diesen Täuschungszustand des „Nicht-krank-seins“ erreichen zu wollen. Die Realität lehrt mich Gegenteiliges.
Jetzt, nachdem ich 9 Tage mit Behcet-Aktivität hinter mich gebracht habe, bin ich sehr niedergeschlagen.
Jeden dieser neun Tage sitze ich hier und habe Schmerzen.
Jeden Tag sitze ich hier, bin traurig und niedergeschlagen.
Jeden Tag sitze ich hier und versuche, mich mit Star Trek abzulenken.
Jeden Tag hoffe ich, dass der nächste besser wird.
Jeden Tag hoffe ich, nicht allein zu sein.
Jeden Tag frage ich mich, wie lange das noch anhalten soll.
Jeden Tag überlege ich, wie ich diesen Tag überstehen kann.
Jeden Tag denke ich daran, wie schön mein Leben ohne Behcet war.
Jeden Tag denke ich darüber nach, was ich sonst noch denken könnte.
Und was macht ihr eigentlich an diesen Tagen? Ich bekomme davon nichts mit. An was denkt ihr so? Was treibt ihr so?
Ich denke, es ist nicht leicht, in diesen Tagen mit mir zu sprechen. Was sollt ihr mir sagen? Was sollt ihr mir raten? Was nervt mich? Was kann ich gebrauchen?
Ja, ich weiß, ich kann mich immer melden.
Ja, ich weiß, ihr seid alle da.
Ja, ich weiß, meine Stimmungen sind schwer zu fassen.
Mir wurde vorsichtig mitgeteilt, dass keiner weiß, wie oder ob er auf mich zugehen soll. Vielleicht, weil ich mich in meiner Traurigkeit eher im Kreis drehe, als sichtbar voranzukommen.
Es scheint schwer zu sein,
· zu erahnen, was ich brauchen könnte,
· zu überlegen, was mir gut täte,
· zu wissen, was ich hören will,
· zu wissen, was mich nerven würde,
· meine Traurigkeit zu ertragen,
· meine Launen auszuhalten,
· meine Gedanken zu verstehen.
Ja, das ist alles ganz schön schwer für mein Umfeld. Nie weiß man, was das Richtige ist. Ich weiß, dass ich kaum Anknüpfungspunkte biete. Ich weiß, dass ich nicht signalisieren kann, was gut für mich wäre oder auch nicht. ICH WEISS ES NÄMLICH NICHT, denn ich wette mit euch:
Es ist noch viel schwerer, Behcet zu haben.
Es ist noch viel schwerer, mein Leid zu ertragen.
Es ist noch viel schwerer, mich selbst auszuhalten.
Es ist noch viel schwerer, die Ungewissheit auszuhalten.
Es ist noch viel schwerer, auszuhalten, dass ich scheinbar für andere zu schwer bin.
Es ist echt schwer auszuhalten, in Ruhe gelassen zu werden.
Also, wenn ihr demnächst denkt, es wäre besser, mich in Ruhe zu lassen, weil ich mich ja bei Bedarf melden würde:
Überlegt euch doch einmal, ob es nicht für euch einfacher wäre, mich einfach mal anzurufen und zu fragen, wie es mir geht.
Liebste, deine offenen Worte gehen zu Herzen. Ich werde dich anrufen und dir sagen, was ich denke und dich fragen, wie es geht. Ich fühle mich ertappt, weil mir mal wieder klar wird, dass sich das Universum in meinen Augen nur um mich dreht. Ich zeige gerne mit dem Finger auf andere Menschen und kritisiere genau das an ihnen. Dabei bin ich selbst wohl nicht viel besser....
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