Ich brauchte ein wenig Zeit, um über die letzten Ereignisse berichten zu können.
Letzte Woche hatte ich einen Termin bei einer Frau:
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1,50 m groß
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1,50 m breit
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Zwischen 40 und 50
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In einer Beziehung lebend
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Dr. med.
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Lebenslanges Beschäftigungsverhältnis in der BRD
Nachdem ich 45 Minuten warten durfte, wurde ich endlich in den Behandlungsraum gebeten. Da in dieser „Praxis“ weder Patienten mit Grippe oder Erkältung Schlange stehen, noch akute Notfälle plötzlich im Türrahmen liegen, frage ich mich schon, wie es sein kann, dass ich so lange warten musste. Angeblich war ein „schwieriger Fall“ vor mir dran. Wahrscheinlich ist der direkt aus dem Fenster gesprungen, denn außer der Ärztin kam in 45 Minuten niemand aus dem Behandlungsraum heraus. Ein Hinterausgang existiert nicht.
Zurück im Behandlungszimmer:
Der 80er-Jahre-Flair liegt in der Luft: Linoleumboden, graues Ökopapier, Körperwaage und Liege haben schon bessere Zeiten gesehen – und die Ärztin wohl auch. Nach den ersten Fragen zu meiner Gesundheit nimmt das Gespräch gleich Fahrt auf: Meine Gewichtsreduzierung wird rege diskutiert und hinterfragt. Meine stolze Berichterstattung wird sofort zerschmettert. Eine Diät mit 100% Verzicht auf Kohlenhydrate und alle Süßigkeiten dieser Welt wird angezweifelt. Es wäre quasi unmöglich, so etwas durchzuhalten, ohne unglücklich zu werden. Sie versucht inständig, mir einzureden, dass ich sehr unglücklich und unzufrieden sein müsse.
Ja, das bin ich auch – aber doch nicht wegen der fast 20 kg, die ich abgenommen habe. Und ich habe echt schlimmere Dinge zu betrauern als eine Tafel Schokolade.
Das Thema zu wechseln gelingt nicht. Es spornt die Ärztin sogar eher an, intensiv ihr Essverhalten zu diskutieren. Leider hat sie einen sehr anstrengenden Job, nicht viel Zeit zu kochen – ich glaube, sie arbeitet täglich bis 16 Uhr – und Stress bewältigt sie nur, indem sie isst. Außerdem isst ihr Freund gerne Fleisch: „So sind die Männer eben!“ (Zitat der Ärztin). Die Autofahrt von ca. 60 km nach Hause ist für sie eine unvorstellbare Belastung. Ich pflichte ihr bei und gebe mich empathisch, um eine Vertiefung dieses Themas zu vermeiden.
Körperliche Untersuchung:
Ich muss mich ausziehen. Während ich mich entkleide, beobachtet mich die Ärztin genau. Plötzlich ein Aufschrei: „Ah, oh mein Gott, Sie tragen ja Strapse?! Wie schrecklich!“
An diesem Punkt gebe ich hiermit offiziell bekannt: Ich trage seit über einem Jahr Kompressionsstrümpfe, von unten bis oben – das ganze Bein. Meine Gefäße sind defekt, die Gefahr des postthrombotischen Syndroms besteht, alle Ärzte empfehlen das Tragen dieser Strümpfe.
Ich finde sie nicht schön, aber man gewöhnt sich wirklich daran. Der Anfang ist unangenehm, aber nach einem Jahr ist das wirklich Alltag.
Zurück zur Ärztin:
Sie kann es kaum fassen und sagt mir, wie schrecklich diese „Strapse“ sind. Sie fragt, warum ich sie überhaupt trage.
Da muss ich mich echt zusammenreißen. Ich berichte nochmals von den Thrombosen, den Empfehlungen meiner Ärzte und dass alle mich für das zuverlässige Tragen loben.
Sie findet es weiterhin schrecklich und betont, wie unangenehm das im Sommer sei.
Dann berichtet sie mir ausführlich von ihrem Lymphödem und dass sie auch so etwas tragen müsste. Ich berichtige sie und erwähne, dass sie dann vermutlich keine Strümpfe Klasse II, sondern eher eine Strumpfhose Klasse III tragen müsse. Sie bejaht das und rechtfertigt, weshalb sie das auf keinen Fall leisten kann, und erläutert die Gründe ihres Verzichts. Sie betont das Drama ihrer schweren Erkrankung.
Der Termin ist beendet und ich gehe mit den Gedanken:
Oh je, zum Glück bin ich nicht klein, dick und unverheiratet – und habe keine schreckliche Lymphödemerkrankung.
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