Mit dem ICE – Seidenstrasse einmal hin und zurück

Seit meinem letzten Post ist nicht viel Zeit vergangen, aber es reicht schon, um Geschichten für ein Buch zu füllen.
Ich habe am Donnerstag früh noch gepostet, und innerhalb weniger Stunden gab es eine Wende.

Kleine Wasserpfützchen am Herzen, an der Pleura und im Unterbauch. Doch gleichzeitig die Info, dass es alles nicht so schlimm sei und man nichts tun könne. Ich solle mich besser in den Zug setzen und nach Hause fahren.

Von den Schwestern auf Station hörte ich, dass wegen der zu erwartenden G20-Opfer Betten und Kapazitäten geschaffen werden müssen.

Ich stand um 14:50 Uhr heulend, sowieso schon fix und fertig im akuten Zustand, in meinem Zimmer, beeilte mich und machte mich direkt auf den Weg zum Bahnhof.

Um 15:50 Uhr ging mein Zug. In einer akuten Phase innerhalb von 24 Stunden: Köln – Hamburg – Köln!


Die Fahrt

Du liegst im Bett, schaust auf die Uhr – Mittag… obwohl noch nichts passiert ist. Müde. Schlafen? Gedanken fluten das Hirn. Ebbe im Kopf. Flut. Ebbe. So ist das im Norden. Gezeiten im Kopf. Kaum fassbar. Froh, bei den richtigen Ärzten zu sein. Froh, jetzt endlich mal mit akuten Symptomen im Fachzentrum zu sein. Müde. Gedanken weg. Ultraschall. Herz. Bauch. Koffer packen. Zug.

Wahnsinn. Da sitze ich, starre die Sitze an. Die Landschaft fliegt vorbei. Tränen. Müde. Keine Gedanken. Die Landschaft fließt durch mich hindurch. Menschen fließen durch mich hindurch.

Umsteigen? Aussteigen? Am Bahnhof. Wo bin ich? Orientierungslos! Wo war ich? Wo will ich hin? Sekunden der Verzweiflung dauern Stunden. Menschen. Geschäfte. Ich weiß nicht mehr. Synaptische Verbindung für einen Wimpernschlag.

Gleis – Zug –

 weitergehen! Ich sehe. Ich gehe. Geschafft. Zug. Platz. Ich weine. Noch 3 Stunden. Ich denke an Herz. Ich denke an Bauch. Ich denke. Unendliche Wimpernschläge denkend.

Und ich komme an. Geschafft. Krank. Ohne Hilfe. Erschöpft. Durchdrungen von Ebbe und Flut.

Und meine Reise findet ihren Beginn im Ende – und ich am Ende.

Im Rückblick kann ich sagen, dass ich es geschafft habe und froh bin, das Wochenende nicht in Altona verbracht zu haben.
Dass ich mal zum gefühlten Opfer dieser Massenausschreitungen werde, hätte ich nie gedacht. Menschen werfen Steine, legen Feuer, zerstören! Ich bin unfassbar traurig darüber, wie dumm das Kollektiv der Menschheit noch immer ist: Kriegeslust, Zerstörungslust, die Lust daran, Menschen zu verletzen.

Meine Hausärztin hat mich am Freitag direkt wieder eingewiesen, und ich liege seitdem in Köln im Krankenhaus. Schon seit Freitag.

Heute ist schon Montag, und ich berichte im Rückblick.



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