Vorgeschichte
Ich bin inzwischen an Tag Nr. 11 angekommen.
Davon konnte ich trotz folgender Symptome 5 Tage lang noch arbeiten:
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Schmerzen in den Beinen
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Schmerzen in den Armen
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Eine fehlerhaft funktionierende Blase (Urinstatus sehr gut, Verdacht auf eine neurologische Störung)
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Eine Augenentzündung
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Sehr starke Nachtschweißattacken
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Abgeschlagenheit und Müdigkeit
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Zwerchfellschmerzen
Allerdings gebe ich zu, dass ich am Tag 5 nach der Arbeit heulend ins Bett gefallen bin mit dem Bewusstsein, dass ich Ruhe brauche, dass ich nicht „wegarbeiten“ oder alles ignorieren kann.
Zufällig hatte ich einen Termin beim Dermatologen. Zweck dieses Besuchs war, einen Arztbericht zu erhalten, der die Ergebnisse der vorangegangenen Untersuchungen dokumentiert. Anfang Dezember hatte ich außerdem einen Anruf vom Dermatologen erhalten, dass ich unbedingt einen Termin vereinbaren und mich wieder vorstellen solle. Meine Frage, was genau bei diesem Termin passieren sollte, blieb unbeantwortet. Ich bat die Krankenschwester, das vorab zu klären und mich dann noch einmal anzurufen. Die Dermatologie hat sich danach nie wieder gemeldet.
Im Sommer hatte ich von meiner Rheumatologin den Auftrag bekommen, mich beim Dermatologen vorzustellen, obwohl ich keine dermatologischen Auffälligkeiten zeige. Einige werden sich jetzt fragen, warum ich da überhaupt hingehe. Es ist eben so, dass bei einer unklaren Diagnose via Ausschlussverfahren weitergearbeitet wird.
Im Dezember hatte ich eine größere Entzündung im Mund und bin deshalb, so wie mir gesagt wurde, gleich samstags früh in die Notaufnahme gegangen – zur Dokumentation und für einen Abstrich. Das Ergebnis liegt mir bis heute nicht vor.
Der Besuch beim Dermatologen verlief so:
Tatort: Behandlungsraum
Opfer: 35-jährige Frau, Verdachtsdiagnosen Morbus Behcet, FMF, undifferenzierte Kollagenose, Zustand nach Beinvenen- und Beckenthrombosen (beidseitig), …
Täter: Prof. Dr. Dr. [Name]
Tatmotiv: Überhöhte Selbsteinschätzung, Arroganz, Machtsucht, Kurzsichtigkeit
Folgende Szene spielt sich ab:
Patientin sitzt und wartet.
Prof. Dr. Dr. betritt den Raum in Begleitung seiner Assistenzärztin.
Er blättert in der Akte und versucht herauszufinden, was die Patientin wohl dorthin geführt hat.
Patientin spricht ohne Aufforderung:
„Ich bin hier, um meine Ergebnisse vom Dezember zu erfahren, außerdem brauche ich einen Bericht für meine Rheumatologin und möchte fragen, was Anfang Dezember der Grund war, weshalb ich einen Termin vereinbaren sollte.“
Prof. Dr. Dr.: „Was war im Dezember?“
Patientin: „Ich hatte eine Blase im Mund, die ich, wie besprochen, hier vorgestellt habe! Ich war an einem Samstag früh hier, das Datum müsste ich nachschauen.“
Prof. Dr. Dr. deutet mit verzogener Miene und abschätzigem Blick auf den Boden: „Wo? Hier?“
Patientin: „Nein, ich war in der Notaufnahme, denn hier ist ja samstags keiner.“
Assistenzärztin klickt am PC herum. Schweigen. Nach einiger Zeit:
Prof. Dr. Dr.: „Ja, normaler Bakterienstatus.“
Patientin: „Okay. Und was bedeutet das?“
Prof. Dr. Dr.: „Normaler Bakterienstatus.“
Patientin: „Ich habe ihre Worte schon verstanden. Es geht um die Interpretation. Ist davon auszugehen, dass der Auslöser eine autoimmune Reaktion sein könnte?“
Prof. Dr. Dr.: „Es bedeutet normaler Bakterienstatus.“
Patientin denkt: ARSCHLOCH!
Patientin sagt: „Okay. Also wäre eine Gewebeentnahme eine bessere Methode. Aber wie soll das gehen? Ich kann doch nicht einfach zu einem Chirurgen gehen, der mich nicht kennt, und erwarten, dass der mir einfach etwas herausschneidet. Wie ist die Vorgehensweise? Wie kann das unkompliziert ablaufen? Bitte schildern Sie mir die Vorgehensweise.“
Prof. Dr. Dr.: „Nein, Sie müssen das bei einem Dermatologen vorstellen, der dann entscheidet, ob eine Entnahme erfolgen soll. Dann wird Kontakt mit einem Zahnchirurgen aufgenommen.“
Patientin: „Ich bezweifle, dass das schnell und unkompliziert ablaufen kann. Bis ich beim Dermatologen und dann beim nächsten Arzt einen Termin bekomme, ist das Symptom wahrscheinlich wieder abgeklungen.“
Prof. Dr. Dr.: „Sie müssen das erst bei einem Dermatologen vorstellen.“
Patientin: „Ja, das habe ich verstanden. Am besten ist es wohl, wenn meine Symptome nur Mo–Fr von 9 bis 16 Uhr auftreten. Denn ich hatte das Gefühl, dass die Notaufnahme extrem genervt von meinem unwichtigen Symptom war. Es ist mir bewusst, dass ich nie dermatologisch auffällig war. Der Aufwand erscheint mir also sinnlos. Was war eigentlich der Grund für Ihren Anruf im Dezember?“
Prof. Dr. Dr.: „Sie sind ja jetzt auch hier, weil Sie das Cortison absetzen müssen.“
Patientin: „Darüber hatten wir vor langer Zeit gesprochen und ich habe Ihnen mitgeteilt, dass ich das nicht von Ihnen entscheiden lasse. Ich bin derzeit zu so einem Risiko nicht bereit und bespreche das mit den Ärzten, die mich schon längere Zeit begleiten.“
Prof. Dr. Dr.: „Nein, das hatten wir noch nicht besprochen.“ Er schaut in die Akte und sucht.
Patientin: „Doch, blättern Sie mal um.“
Prof. Dr. Dr. blättert um: „Ja stimmt. Ich habe es notiert.“
Patientin: „Dann ist das ja geklärt. Was wollten Sie Anfang Dezember von mir?“
Prof. Dr. Dr.: „Sie müssen das Cortison absetzen.“
Patientin: „Aber Sie sehen doch, dass wir das schon vor Dezember besprochen haben. Ich werde meine Basismedikation nur in Absprache mit meiner Rheumatologin verändern.“
Prof. Dr. Dr.: „Sie schädigen damit grundlos Ihren Körper.“
Patientin: „Grundlos? Ich habe keine dermatologische Auffälligkeit. Das heißt aber nicht, dass ich keine gesundheitlichen Probleme habe, die vielleicht gerade wegen des Cortisons schon zwei Jahre lang nicht mehr so heftig sind.“
Prof. Dr. Dr.: „Es gibt keine Veranlassung, dass Sie Cortison nehmen. Ich notiere in der Akte, dass Sie das Absetzen des Cortisons verweigern und die Schädigung Ihres Körpers in Betracht ziehen.“
Patientin: „Wenn Sie das so sehen. Meine Ärzte, die mich schon Jahre begleiten, sehen das anders. Aber bitte, notieren Sie es.“
Prof. Dr. Dr. zeigt auf einen kleinen Stapel Papier: „Da sind die gewünschten Kopien Ihrer Untersuchungsergebnisse. Tschüss.“
Prof. Dr. Dr. verlässt den Behandlungsraum ohne Blickkontakt, Assistenzärztin folgt ihm, Patientin bleibt alleine zurück.
Ich kommentiere nun nicht, wie sich dieser Arztbesuch angefühlt hat. Ich habe keine Worte.
Ich kann nur sagen, dass dieser Arzt lediglich ein paar Kopien von Untersuchungsaufträgen bereitgestellt hat, aber keinen Bericht mit möglichen Interpretationen geschrieben hat. Dabei belaufen sich die Rechnungen der Untersuchungen schon auf einen vierstelligen Betrag. Und die Rechnungen kommen ohne Aufforderung und müssen innerhalb von 30 Tagen beglichen werden.
