Perpektive

Am 1.11. ist mein Krankheitstag, mein persönlicher MB-Tag.
Heute vor genau 2 Jahren begann alles richtig.

Ich war morgens mit meinem Hund joggen, nachmittags im Kino. In NRW ist am 1. November Feiertag.
Nach dem Kino waren wir zum Essen bei Freunden. Der Weg nach Hause betrug rund 250 Meter – die ich nur noch humpelnd zurücklegen konnte.
Da nahm alles seinen Lauf: Fieber, Thrombosen, Rippenfellentzündungen usw.
Ca. 5 Monate später sollte ich erst meine Diagnose bekommen.

Letztes Jahr habe ich mir vorgenommen, diesen Tag immer auf besondere Weise zu begehen.
„Essen entlang der Seidenstraße“ sollte das Motto sein.
Letztes Jahr waren wir türkisch essen, das war prima und hat viel Spaß gemacht.

Ich hatte mich sehr darauf gefreut, ein Jahr später mit einigen Freunden zusammen zu sein und etwas von der Seidenstraße zu verkosten.
Aber das ist eben eine Sache der Perspektive.
Letztes Jahr war der Blick auf den 01.11.2015 irgendwie friedlich.
Letzte Woche war der Blick auf den 01.11.2015 nicht so versöhnlich, wie ich es mir erhofft hatte.

Ach, alles war anders, und ich habe in diesem Jahr nichts von meinen Plänen umgesetzt.
Ich bin nicht fit genug, um mich auf ein „Essengehen“ zu freuen, und ich merke, dass ich soziale Kontakte am liebsten vermeide.
Ich habe kontinuierlich Schmerzen, die zwar nicht stark sind, aber eben trotzdem doof, und ich fühle mich nicht gut.

Der Tod meines Hundes setzt uns hier immer noch sehr zu, und wir sind nicht in bester Stimmung.
Zwar haben wir ziemlich plötzlich wieder Zuwachs auf vier Pfoten bekommen, der uns viel Freude bereitet, uns sehr beschäftigt und Spaß bringt.
Doch der Verlust ist noch sehr präsent und schmerzhaft.

Im letzten Jahr war ich guter Dinge und habe mich auf ein ruhiges Jahr mit meiner Krankheit „gefreut“.
Aber so richtig ruhig war es nicht, und daran hatte nicht allein der Behcet seinen Anteil.

Jetzt liegt mir hier zu Füßen ein Hund namens Neelix, mein Körper tut weh, ist heiß, und ich bin müde.
Ich bin gespannt, was das 3. Jahr meiner Erkrankung so mit sich bringt.

Eine Frage der Perspektive?



Diesen Text habe ich letztes Jahr geschrieben. Ich habe ihn nicht veröffentlicht. Der erste Satz müsste also korrekterweise lauten:
Heute vor genau 3 Jahren ging es so richtig los.

Und in diesem Jahr?

Ich habe den 1.11.2016 gemütlich zu Hause verbracht. Und nun begehe ich das 4. Jahr mit Behcet, dem Mittelmeerfieber und wer weiß, was da noch alles in meinem Gepäck schlummert.
Die Ärzte sind sich uneins, ich bin ein seltsamer Fall. Dazu mehr demnächst.

Wie geht’s nun weiter? Behcet 4.0?!
Es ist keine Frage der Perspektive, wie Krankheiten verlaufen.
Es ist eine Frage der Perspektive, wie ich sie sehe.
Aber vor allem ändert sich meine Perspektive auch durch euch:

Wie blickt ihr auf mich?
Wie blickt ihr auf Behcet?
Wie blickt ihr auf ein krankes Leben?
Und blickt ihr überhaupt?
Seht ihr eure Mitmenschen? Seht ihr sie jeden Tag? Oder seht ihr lieber weg?

Einen schönen Sonntagabend an alle da draußen...

... und verändert mal die Perspektive!