Gelegentliches Risiko und sachdienliche Hinweise

Lesen Sie niemals die Packungsbeilage?
Zumindest ich mache das nicht. Zwischen „Pest“ und „Cholera“ auswählen? Das klingt nicht gerade prickelnd. Ich bin umfassend aufgeklärt, habe die Risiken aber meist schnell verdrängt.

Doch neulich wurde ich erneut auf einen Beitrag aufmerksam, der die Risiken und Nebenwirkungen von Blutverdünnern beschreibt. Wörter wie „Verbluten“ oder „Hirnblutung“ sind mir wieder sehr präsent geworden.

Deshalb ein kurzer Hinweis an alle:
Ich trage immer meinen Medikamentenausweis in meiner Geldbörse und habe im Handy einen Kontakt namens „ICE“ (in case of emergency). Dort steht alles Wichtige drin.

Demnächst werde ich mich wirklich mit dem Thema „Patientenverfügung“ beschäftigen – denn wenn das Hirn erst mal blutet, ist es oft zu spät.

Über dieses Thema spricht eigentlich niemand gern. Und wenn ich es nur andeute, höre ich schon „Mal’ doch nicht so schwarz!“ oder „Du musst nicht vom Schlimmsten ausgehen!“
Ich male nicht schwarz – ich gehe nicht vom Schlimmsten aus. Aber ich finde es wichtig, meinen Willen klar zu kommunizieren. Es ist so bitter, wenn Angehörige in emotionalen Ausnahmesituationen Entscheidungen treffen müssen, von denen sie nicht wissen, ob sie im Sinne des Kranken sind.

Vor genau einem Jahr, am 15.01.2014, standen die Ärzte an meinem Bett und sagten:
„Wir können hier nichts mehr für Sie tun. Wir können eine Reha beantragen, damit Ihre Angehörigen 3 Wochen Zeit haben, sich auf die neue Situation einzustellen.“

Ich konnte damals noch liegen, aber sonst fast nichts. Zum Toilettengang war ich zu schwach, im Rollstuhl sitzen war eine Qual. Duschen war nur noch eingeschränkt möglich, am Tisch sitzen zum Essen – undenkbar. Wie hätte ich im 2. Stock ohne Fahrstuhl leben sollen? Meine Badezimmertür ist nur 60 cm breit – selbst wenn ich im Rollstuhl gesessen hätte, wäre die Toilette unerreichbar geblieben. An diesem Tag dachte ich nur:
„Scheiße, ich kann nicht mal mehr aus dem Fenster springen.“

Ganz ehrlich: Das war so furchtbar, da hätten auch ein Fahrstuhl oder eine breitere Tür nicht mehr viel geholfen.

Am Ende war es ein großes Glück, dass ich einen Arzt so irritiert habe, dass er mich abends noch einmal auf seine Liege gelegt und den Ultraschallkopf richtig positioniert hat. Das war meine Rettung im letzten Moment. Wahrscheinlich wäre ich sonst nicht mehr lebend in der Reha angekommen. Dieser Mittwoch war der schlimmste Tag meines Lebens.

Ich möchte nie wieder in so eine ausweglose Situation kommen.

Ich habe keine Angst vor dem Sterben – der Tod gehört zum Leben. Und wir müssen endlich mehr darüber sprechen.

Aber ich habe Angst vor Schmerzen.
Ich habe Angst vor Hilflosigkeit, Abhängigkeit und einer Krankheit, der ich ausgeliefert bin.

Was sind eure Risiken?
Welche Nebenwirkungen fürchtet ihr?

Fragt euch selbst – und nicht nur den Apotheker.