Yoga löffeln

„But you don't look sick?“
„You don't look stupid, but ...“

An dieser Stelle gebe ich zu, dass ich tatsächlich – als ich selbst schon erkrankt war – in diese Falle getappt bin. Ich habe Menschen getroffen, die mir von ihrer Krankheit erzählt haben. Ich war oft so erstaunt, dass mir dieser Satz („Aber du siehst doch gar nicht krank aus?“) einfach herausgerutscht ist. Auf Deutsch versteht sich, sonst wär’s echt albern.

Irgendwie hat es mich erstaunt, als mir darauf geantwortet wurde:
„Ja, aber du doch auch nicht!“
Meine Irritation war groß. Das war mir nicht klar. Ich dachte, ich würde krank aussehen. Also zumindest fand ich das. Vielleicht hatte ich auch nur eine stillschweigende Übereinkunft mit meinem Körper getroffen: Was sich krank anfühlt, soll auch so aussehen.

Aber ich war doch eher ein übergewichtiges Mahnmal meiner selbst?! Wie konnte ich damit also nicht krank aussehen?

Wie ich jetzt wohl darauf komme? Obwohl das schon einige Monate zurückliegt?

Diese Woche war ich wieder im Yoga. Da sind nur Menschen um mich herum, die mich nicht kennen, die nicht wissen, dass ich krank bin. Keiner bemerkt es, keiner sieht es! Das ist unfassbar für mich – und irgendwie seltsam. Ich bin mitten in einer Gruppe von neun Frauen und zwei Männern, und keiner interessiert sich dafür. Prima ist jedoch vor allem, mit niemandem sprechen zu müssen. Matte ausrollen, hinlegen, warten, bis alle da sind, mit der Masse verschwinden. Hier sind wir alle gleich: bequeme Hose, auf die Matte, fertig!

Die Leiterin beginnt: „Na, geht’s euch allen gut?!“

Da wird sofort wieder klar: So einfach ist das nicht. Ich verstecke mich also ein wenig hinter einer Dame, um auf diese vermutlich aufheiternde Frage nicht reagieren zu müssen. Die anderen fangen an zu lächeln, nicken sich freundlich zu, albern dabei etwas herum.

Die Leiterin: „Und tut es irgendwo weh? Irgendein Zipperlein, von dem ich wissen sollte?“

Alle lachen leise, aber gut hörbar.

Okay, jetzt wird’s echt schwer! Ich kann wirklich nicht darüber lachen. Ich will auch nicht antworten müssen. Also fixiere ich einen Punkt an der Wand, um nicht versehentlich Blickkontakt aufzunehmen. Diese Floskeln, die andere selbstverständlich nutzen, um Kommunikation zu initiieren, können mich manchmal schon völlig überfordern. Da gehe ich doch zum Yoga, um auch meinen Geist zu entspannen – und jetzt so ein Einstieg.

Damit war mein Gedankenkarussell für diese 1,5 Stunden vorprogrammiert – und gestartet. Echt klasse! Tiefenentspannt oder gar erfüllend war diese Yogarunde also wirklich nicht.

Ich sehe nicht krank aus. Ich fühle mich krank. Ich kann zwar in der Masse verschwinden – aber ich gehöre nicht dazu. Ich kann nicht gelassen lächeln, weil ich heute ein oder kein Wehwehchen habe. Und die freundliche Frage nach dem Befinden lässt meinen Blutdruck in die Höhe schnellen. Und das noch vor der ersten „Brett“-Position – fabelhaft!

Auch wenn ich an diesem und insgesamt in den letzten Tagen keine Schmerzen habe, fühle ich mich doch ständig krank. Damit meine ich nicht, dass ich mich fiebrig fühle oder Ähnliches. Das Blöde ist: Ich bin krank. An diesen Punkt komme ich immer wieder.

Ich bin im Internet fündig geworden – um mir zu ersparen, euch das zu erklären. Christine Miserandino hat für sich die „Spoon Theory“ entwickelt, die ich an dieser Stelle wärmstens empfehlen möchte.

Am nächsten Tag bin ich beim Physio. Direkter Kontrast: keine Gruppe, eine Liege, Krankheit bekannt, direktes Arbeiten an den Wehwehchen! Aber da bekomme ich oft gute Tipps. Nur heute sollten sie mich nerven: Lichttherapie soll ich machen, mehr Aktivität, Ernährungsberatung, Akupunktur – und was weiß ich noch. Klar, das kann mir alles helfen. Oder auch nicht. Ich bin mir ziemlich sicher, dass der Physio nicht genau weiß, dass meine Müdigkeit von der Krankheit kommt – und dass es mit mehr Licht auch nicht besser wird.

Ich fasse mal zusammen: An zwei Tagen in der Woche mache ich je eine Stunde Therapie, an einem Abend mache ich 1,5 Stunden Yoga. Wenn ich auch noch Lichttherapie, Akupunktur und so weiter machen soll – dann kann ich nicht mehr mit dem Hund an die frische Luft, nicht mehr Star Trek schauen, keine sozialen Kontakte mehr, keine Telefonate …
Ich hätte dann nur noch: Therapie.

Ihr seht … ich bin unzufrieden.
Aber: Kann man nicht einfach krank sein und normal leben? Ohne: Therapie, Therapie, Therapie?! Das glaubt der doch selbst nicht, dass das gut sein könnte.

Ich bin krank.
Ich kann trotzdem lachen – oder auch genau deshalb. Ich lache gerne und auch oft! Ich lache nur nicht über die Frage, wie es mir geht. Ich lache nicht über Wehwehchen, die andere haben – oder auch nicht.

Vor allem lache ich gerne, wenn ich solche Dinge lese:


Vasculitis may be killing me on the inside, but I'm so sexy, it couldn't touch my good look!