Echo und Berge



Die Muse hat mich schon seit geraumer Zeit verlassen. Vermutlich habe ich sie sogar selbst verjagt. Es wirkt so nutzlos, es bewirkt ja doch nichts. Ich schreibe – und es ändert sich nichts.
Alles leere Worte, alles Floskeln, ohne Adressaten nutzlos.

Meine guten Tage sind vorbei. Das war ein fantastischer Sommer.
Jetzt bin ich wieder im bekannten Status: Kaum etwas geht, aber alles muss. Meinen Alltag absolviere ich mehr schlecht als recht. Ich kratze am Limit, verbringe die Zeit, die ich nicht am Arbeitsplatz bin, fast ausschließlich im Bett und auf dem Sofa. Eine normale Woche macht mich fertig, die Zusatztermine schiebe ich auf, der Berg wird größer.

Und während ich so auf meinem Gipfel stehe und ins Tal der unerledigten Arbeiten schaue, wird mir schlecht, ich habe Angst. Ich schaffe es nicht mehr.

Jetzt liege ich hier, schlafe, leide und schlafe. Ich habe Schmerzen und kann so gar nichts mehr. Der Berg, der sich nun täglich unter mir weiter aufbaut, lässt mich schwindelig werden. Ich weiß nicht, was schlimmer ist: der Behcet? Die Angst, alles nicht zu schaffen? Ich weiß es nicht. Aber die Kombination aus beidem ist furchtbar.

Ich winde mich gedanklich durch alle Anforderungen, alle guten Zurufe von außen begleiten mich. Doch das Echo verhallt, die Zurufe verstummen. Am Ende nutzt mir keine Zuversicht von außen, keine Worte, um mich aufzubauen. Auch das Verständnis ist keinen Pfifferling wert, wenn ich oben auf meinem Gipfel stehe, ins Tal blicke und nicht mehr weiß, wie es weitergehen soll.

Ich stehe da oben, ich stehe da ganz alleine!

Während ich so ins Tal meiner Anforderungen schaue, seid ihr mit euch beschäftigt. Und wenn ihr in kurzen Momenten seht, dass ich da schwanke, dann ruft ihr mir Gutes zu. Aber schaut doch mal genau hin. Ich stehe schon längst nicht mehr oben. Schau mal genau, halte inne und schau ganz genau: Ich falle!


 "Imagine what my body would sound like 
slamming against those rocks 
when it lands 
will my eyes 
be closed or open?" 
(Björk, hyperballad, 1995)