Arzthelferinnen?
· Zuverlässig unfreundlich?
· Null empathisch?
· 100 % mächtig?
Vorgeschichte:
Montag, Vorsorge beim Frauenarzt, Auffälligkeit in der Brust, bitte ausstanzen lassen.
Ich bin aufgeregt. Praxis fürs Stanzen ist montags nachmittags geschlossen.
Dienstagmorgens um 8 Uhr betrete ich die Praxis mit Überweisung.
Ich schreibe an dieser Stelle nur den Dialog auf, entsprechend meiner Erinnerung. Ihr bemerkt, dass ich meine Emotionen mal außen vorlasse.
Ich: Guten Morgen. Ich habe eine Überweisung und brauche einen Termin.
Ah: Oh je, wir sind total dicht.
Ich: O.k., ich nehme einfach den nächstmöglichen Termin.
Ah: Puhhh, wir sind echt total dicht.
Ich (etwas bestimmter): O.k., ich nehme einfach den nächstmöglichen Termin. Dann überlege ich, wie ich damit umgehe.
Ah: Wie wollen Sie damit umgehen?
Ich: Naja, ich werde dann noch woanders fragen und den Termin wahrnehmen, der der früheste ist.
Ah: Neee, die anderen sind auch total voll.
Ich (sehr bestimmt): Was soll ich jetzt mit diesen Aussagen anfangen? Geben Sie mir doch einfach einen Termin, ich kann für mich selbst entscheiden!
Ah: Also Frau Jen Nifer, ich versuche gerade alles, was ich kann, für Sie zu bewegen. Da muss man doch nicht unfreundlich werden. Ich bin ja auch freundlich. Wir brauchen uns jetzt doch nicht gegenseitig anzufixen.
Ich: (sage nichts)
Ah: Also, wenn es etwas Schlimmes ist, würde Ihre Frauenärztin eh hier anrufen. Weiß die Ärztin, dass Sie 2014 schon mal zur Mammographie hier waren?
Ich: Ja.
Ah: Ja, damals war doch auch nichts. Wieso soll da jetzt noch einmal geschaut werden?
Ich: Weil vor einem Jahr eine neue Auffälligkeit aufgetaucht ist, die sich nun noch mehr verändert hat.
Ah: Ja, aber da machen wir erst mal Ultraschall und Mammographie, denn mehr muss ja eigentlich nicht gemacht werden.
Ich: Diesmal ist es für die Ärztin und für mich wichtig zu wissen, was es genau ist.
Ah: Was hat die Ärztin denn gesehen?
Ich: Das steht ja auf der Überweisung. Diese Dings da eben.
Ah: Ja, aber wie sah es denn aus?
Ich: Naja, nicht wie meine vielen Zysten. Nicht klar abgegrenzt, nicht durchleuchtbar usw.
Ah: Frau Jen Nifer, da steht Verdacht auf Fibroadenom. Da muss man nicht machen.
Ich: Es soll ja genau geklärt werden, ob es nur das ist.
Ah: Adresse und Telefonnummer stimmen noch?
(… wir tauschen Fakten aus …)
Ah: Bei welcher Kasse sind Sie versichert? Kann ich die Karte haben?
Ich: Ich bin privat bei XY versichert.
Ah: Ach, gerade hat jemand abgesagt, Sie können morgen früh um 8 Uhr kommen.
Ich: Ja, das ist gut. Dann bis morgen.
Ich schreibe nicht, wie es mir geht, wenn mir nebenbei ein normaler Vorsorgetermin zusätzliche Aufregung beschert.
Ich schreibe nicht auf, wie ich mich immer wieder fühle, wenn ich für dumm verkauft werde.
Ich schreibe nicht auf, wie ich mich fühle, wenn die Helferinnen immer deutlich machen, dass sie an der Spitze der Pyramide stehen.
Und ich schreibe noch auf, dass es auch nicht schön ist, wenn heute nach allen bildgebenden Verfahren geklärt ist, dass es vermutlich nicht bösartig ist, aber dennoch gestanzt werden soll – und ich dann an der Anmeldung laut gefragt werde:
„Läuft Ihnen manchmal Flüssigkeit aus der Brustwarze heraus?“
--- ENDE ---
Jetzt die Frage:
Läuft Ihnen manchmal Hirn aus dem Ohr?
So, heute Nachmittag wird gestanzt und ich bin einfach froh,
wenn ich das hinter mir habe.
