Wilkommen im Norden, zwischen der 12. und 16. Etage

Heute hat mich meine Reise durch die Republik in ein fremdes Land geführt.
Ich bin mit dem Zug in den hohen Norden gefahren, um in der Asklepios Klinik Hamburg Altona ein Bett zu beziehen.
Ich habe viel zu erzählen.

Die Vereinbarung war, dass ich bis spätestens 10:30 Uhr auf der Station 12b ankommen soll. Ich gebe zu, ich habe bewusst etwas knapp kalkuliert, denn der Zug, der um 6:16 Uhr den Hbf Köln verlassen sollte, fuhr für mich – ohne Umsteigen – direkt bis Hamburg Altona. Der Bahnhof ist nur etwa 10,50 € Taxifahrt vom Krankenhaus entfernt.

Dort traf ich schon auf Achmet. Achmet ist bestimmt zwischen 38 und 42 Jahre alt, mit gepflegtem langen Bart, wie ihn viele Herren heute so tragen. Ich musste schmunzeln und fragte mich, wie oft er wohl gefragt wird, ob er ein Terrorist sei. Sein wortloses Statement dazu: ein grüner, feiner gestrickter Pullover mit beigefarbener Hose – damit sah er aus, als hätte er sich eine alte Polizeiuniform angezogen. So fand ich ihn schon sehr sympathisch.

Er hob mein schweres Gepäck in den Kofferraum, hielt inne, wog den Koffer vorsichtig auf und ab und schien am Gewicht erfühlen zu wollen, wohin meine Reise ging. „Husum“ war sein Tipp! Dabei musste ich herzlich lachen. Er erzählte auch gleich, dass die Frau vor mir so schrecklich laut Kaugummi kaute, dass er fast durchgedreht wäre. Er konterte wohl wortlos, indem er selbst ein Kauprodukt einwarf und sogar Blasen blies.

Ich erfuhr einiges von seinem Vater, seiner Frau und seinen Kindern und hoffe sehr, dass er die Kinoplätze für heute noch reservieren konnte.

Hier angekommen – ich traf genau um 10:30 Uhr in der Patientenaufnahme im 1. OG ein – war mein Zimmer noch nicht bezugsfertig. Gut, dass das verlässlich in jedem Krankenhaus nicht gut funktioniert und ich so spät gekommen bin.

Warum scheint das immer so, als kämen die Ab- und Anreisen völlig plötzlich und unerwartet? Als hätte es das noch nie im Krankenhaus gegeben?

Dann bin ich im „Erhöhte-Temperatur-Reise-Schweiß-Outfit“ eben gleich zum EKG. Als ich zurückkam, war mein Zimmer frei:

Fenster nicht zu öffnen, 2-Bett-Zimmer, Dusche/WC auf dem Flur, Tür ohne Schloss, ähnelnd eher Saloontüren, die sich nur in eine Richtung öffnen ließen und nicht zu schließen waren. Aber im Grunde egal. Entscheidend war nur, dass die Zimmertemperatur bei ca. 26 °C lag und man daran nichts ändern konnte.

Meine freundliche Zimmergenossin versuchte bei der Frage nach WLAN direkt freundlich, mich darauf hinzuweisen, dass es auch mal ohne gehen müsse. Naja, die etwas älteren Damen sehen eben dann doch nur das Kind in mir. Wobei meine Mutter mir mit Sicherheit niemals den Internetzugang verweigert hätte. Ziemlich doofe Idee – also grundsätzlich und vor allem, wenn man im Krankenhaus liegt und sich sehr gerne mit dem Blog und der Homepage beschäftigen möchte.

Nach den ersten Standard-Blutabnahmen und meiner ersten resoluten Verweigerung, mir einen Zugang legen zu lassen, erwähnte ich, dass ich sehr erfreut wäre, wenn man meinem Versicherungsstatus entsprechend das nächste freie Bett für mich reservieren würde.

Und siehe da: Um ca. 15 Uhr lag ich schon auf der Dekantenz-Station, 2-Bett-Zimmer, Plastikböden in Holzoptik, Kühlschrank, eigenes Bad mit WC und Dusche, 3 Fernsehgeräte für 2 Personen, WLAN mit gerade einem Balken Signalstärke, Kaffeemaschine usw. So ähnlich wie bei Dr. Eduardus, nur nicht ganz so exquisit – und das Ganze auch bei geschlossenen Fenstern und 26 °C.

Meine Gefäße fühlen sich hier richtig wohl, ich habe Kopfschmerzen.

Meine Zimmernachbarin ist, wie sie selbst sagt, nur ein langweiliger Rheumatoide-Arthritis-Fall. Ich schätze sie mal auf 70–80 Jahre. Ihre Anekdoten über Krankenhausaufenthalte und Erfahrungen mit Ärzten, untermalt durch ihren Hamburger Dialekt, sind sehr unterhaltsam und lustig. Sie hat einen trockenen Sinn für Humor und freut sich, dass ich nicht schon darauf bestehe, um 19:30 Uhr das Licht auszumachen.

Ich kämpfe mit dem WLAN, aber ich glaube, ich schaffe es, täglich hier zu berichten!

Bleibt dran, ihr lieben Mitreisenden!