Logisches Paradoxon

Wir sitzen (stehen) an dem Tisch,
mit geschlossenen Augen schaue ich ins Gesicht.
Schwatzen heftig, still und leise.
Sehr fremd ist die vertraute Weise.
Der Unterschied ist genau gleich.
Die harten Worte sind ganz weich.
Traurige Geschichten, so lächerlich,
wie dieses so logisch-paradoxe Gedicht.

Ein Paradoxon sondergleichen! So fühlte sich diese Woche mein Treffen mit einer mir völlig unbekannten Person an:
Sie ist groß, hat lange dunkle Haare, etwas jünger als ich. Wir haben sehr ähnliche Gene: HLA B51 – und sind doch so verschieden.
Ich bin nun nicht mehr alleine, es gibt außer mir selbst nun eine Behcet in meinem Leben.
Am Dienstag habe ich sie getroffen, hier bei mir, nur um die Ecke.
Eine dieser 400–600 Menschen in der BRD wohnt ca. 35 km von mir entfernt. Ist das nicht ein günstiger Zufall?
Gefunden haben wir uns zufällig bei Instagram. Telefonnummern wurden ausgetauscht und den ersten Kaffee haben wir schon gemeinsam getrunken. Es versprechen noch einige Liter Kaffee geteilt zu werden.
Das hat schon etwas Sonderbares: Eigentlich kennt man sich nicht, aber innerhalb von 5 Minuten ist man sich seltsam vertraut. Ich hatte sofort Gesprächsstoff für die nächsten 12 Stunden und mehr.
Ihre Geschichte finde ich sehr interessant, und es macht mir Spaß, Dinge über die Krankheit auszutauschen und auch Neues zu lernen.
Es war wirklich ein Paradoxon: Die Gemeinsamkeit, die uns verbindet, ist das Schrecklichste, was uns passiert ist. Gleichzeitig gibt diese Gemeinsamkeit Anlass zu Mitgefühl, Verständnis – und wir haben viel zu lachen.
Was könnte paradoxer sein, als sich an dem Austausch über wirklich schreckliche Fakten zu laben?