Von Schuhen und Schubladen

Ich habe heute neue Schuhe getragen.
Das tue ich zwar jeden Tag – doch heute war es etwas Besonderes.

Ich habe mir Winterstiefel gekauft und sie heute das erste Mal angezogen. Seit über einem Jahr trage ich ausschließlich Wanderschuhe, da ich – wie einigen bereits bekannt sein dürfte – auf der Seidenstraße unterwegs bin. Um diesen Weg zu gehen, ist gutes Schuhwerk nötig: gute Polsterung, gute Dämpfung, ein gutes Fußbett. Da mein Wanderweg mal bergauf, mal bergab führt, steinig und manchmal auch glatt ist, erspare ich mir durch gutes Schuhwerk einiges an Schmerzen und Belastung. Meine Schwester nennt diese Fußbekleidung liebevoll: „All-you-can-go“-Schuhe.

Ich habe zum Glück nicht den angeblich angeborenen X-chromosomalen Schuhtick. Zwar liebe ich Sneakers in allen Varianten, aber um zufrieden zu sein, brauche ich nicht zehn Paare.

Im letzten Jahr habe ich mir nur einmal neue Schuhe gekauft – und dann direkt zwei Paar:
In den Laden rein, Schuhe anprobieren, passen, bequem – Aussehen egal, bezahlen, fertig!

Niemals hätte ich gedacht, dass ich dauerhaft „All-you-can-go“-Schuhe tragen würde.
Mehr noch: Ich habe mich früher über Frauen in meinem Alter lustig gemacht, sie gedanklich in eine Schublade gesteckt – stets in der Überzeugung, niemals so zu werden.
Tja, jetzt bin ich so.
Und ich bin einfach froh, wenn ich in meinen „All-you-can-go“-Schuhen keine starken Schmerzen habe.

Ich habe mir also Winterstiefel gekauft. Das habe ich noch nie gemacht! Ich dachte immer: Sneakers und ein paar dicke Socken – das reicht doch. Jetzt bin ich jedoch froh, warme und weiche Schuhe an den Füßen zu haben. Sie liefen sich heute schon ganz gut. Ich habe zwar leichte Schmerzen und war froh, nach der Arbeit die Schuhe auszuziehen – das kann aber auch an meiner Tagesform liegen. Ich probiere sie morgen gleich noch einmal.

Schaut den Menschen ins Gesicht und sprecht mit ihnen.
Manchmal sind blöde oder hässliche Schuhe das geringste Problem.

Und beim nächsten Schuhkauf, wenn ihr wieder die Qual der Wahl habt:
„Ist das Paar schöner oder doch das andere?“
Denkt an mich – und kauft einfach beide!